Hemmnisse

Im Ganztag in Baden-Württemberg ist die offene Form im Schulgesetz §4a nicht vorgesehen.

In der Ganztagsschule wird die Verbindlichkeit an 4 festgelegten Nachmittagen von einigen Kommunen aus monetären (?) Gründen bevorzugt.

Die Ganztagsschule ist die einzige Betreuungsform über die Regelschule hinaus, welche durch das Schulgesetz zu einem großen Teil vom Land finanziert wird (durch Zuweisung von Lehrerwochenstunden in der Ganztagsschule – die zu 50% monetarisiert werden können!). Bei der Wahl für das 4×8 Stunden-Modell bekommt eine Schule 12 Lehrerwochenstunden pro Gruppe zugewiesen. Eine monetarisierte Lehrerwochenstunde entspricht 1800€. Das heißt, 12 Lehrerwochenstunden entsprechen einem Geldwert von 21.600€/Gruppe/Jahr (zu 50% Monetarisierung möglich). (http://www.bw.ganztaegig-lernen.de/H%C3%A4ufige%20Fragen%20%28FAQ%29/monetarisierung-von-lehrerwochenstunden-im-ganztag-kooperationsvereinbarungen)

Bestehende Betreuungsprogramme werden nicht mehr vom Land gefördert, wenn die Schule zur Ganztagsschule wird. (12.373€/Jahr pro Hortgruppe; 485€ je betreute Wochenstunde pro Gruppe für die Ergänzende Betreuung wie die Kernzeit) . Neuanträge auf Förderung des Landes sind für Hort und Kernzeit ab dem Schuljahr 2015/16 nicht mehr möglich. Es gibt lediglich einen Bestandsschutz für bestehende Hortgruppen und Kernzeiten – sofern an der Schule keine Ganztagsschule (auch Wahlform) eingeführt wird

Die fehlende Förderung außerhalb der Ganztagsschule kommt insbesondere im Hortsystem zum Tragen: Damit wird die freiwillige, flexible Form der Nachmittagsbetreuung – hier in Karlsruhe vor allem der qualitativ sehr gute Hort mit gewachsenen Strukturen inklusive Ferienbetreuung – verdrängt zugunsten der Ganztagsschule.

Karlsruhe: Zur Verdeutlichung unserer Bedenken zum geplanten, mittelfristigen Wegfall des Hortsystems in Karlsruhe möchten wir einige Zitate anführen: In der Rahmenkonzeption der Stadt Karlsruhe für Ganztagsangebote für Grundschulkinder vom 27.09.2013 steht:  “Grundsätzlich soll die Ganztagsschule das Basismodell für den Schulalltag sein.” (S.5). Auf S. 16, 3.6 ist eine Zusammenfassung/Überblick der Planung einzusehen. “Zukünftiges Standardbetreuungssystem” ist demnach die Ganztagsgrundschule”. “Horte bleiben bestehen, soweit der Bedarf nicht durch ein Ganztagsschulangebot abgedeckt werden kann”. (Dieser Passus steht unter “b) Modell eines Übergangssystems”). Unter “c) Zukünftiges Standardbetreuungsprogramm” findet man ein Schaubild. Hier gibt es einen Bereich Ganztagsschule (ca. 74%) sowie einen Bereich Halbtagsschule (ca. 26%). Ein Hort ist hier nicht mehr aufgeführt. Auf S.14 finden wir den Satz unter dem Abschnitt “Halbtagsschulen” …”Sollte Betreuungsbedarf nach 14.00Uhr bestehen, kann die Ganztagsschule besucht werden. Eine alternative Betreuungsform nach 14 Uhr muss durch die Eltern organisiert werden.

Zur Rhythmisierung, die das pädagogische Konzept der Ganztagsgrundschule ist: die Rahmenbedingungen lassen für Schulen in Wahlform nur unter großen Schwierigkeiten eine Umsetzung ohne Bildung von Mischklassen (Halbtags und Ganztagskinder in einem Zug) zu. In Karlsruhe Stadt betrifft das aktuell 9 von 15 Schulen in Wahlform. Dabei gibt es entweder nicht die vom Gesetzgeber gedachte Rhythmisierung bei mindestens einmal Nachmittagsunterricht in Klasse 3/4 oder es kommt zu abstrusen Stundenplänen, in denen Halbtagskinder Nachmittagsunterricht haben sowie Halbtags- und Ganztagskinder stundenweise getrennten Unterricht haben müssen. (http://www.bw.ganztaegig-lernen.de/praxis-handbuch-ganztagsschule – Praxisheft C – Rhythmisierung an Ganztagsschulen).

Neutrale, umfassende Aufklärung und Befragung der ELTERN fehlen unserer Kenntnis nach häufig vor Umwandlung einer Schule in eine Ganztagsschule. Wichtig sind unseres Erachtens:

  • Bedarfserhebungen zum Betreuungsangebot inklusive Hort
  • umfassende, sachliche Information aller Eltern bezüglich bestehender Betreuungsangebote bei Einführung einer Ganztagsgrundschule (auch mittelfristig!)

Zuletzt geändert 13.07.2015