Kommentare unserer Unterstützer

Von Herrn Daniel Hennigs, Diplom-Musiklehrer aus Ettlingen, 27.03.2015

Als Musikpädagoge (Fachbereich Tasteninstrumente) unterstütze ich die „Initiative Gute Grundschule“ in Karlsruhe aus folgenden Gründen voll und ganz – und spreche dabei mit Sicherheit für sehr viele andere Musikpädagogen:
– eine flächendeckende Einführung der verpflichtenden Ganztagesschule (GTS) ohne Option zum freiwilligen GTS-Angebot oder zur klassischen Halbtagesschule wird die beruflichen Möglichkeiten der Lehrkräfte sowohl an Musikschulen wie auch die der Privatmusiklehrer massiv einschränken oder sogar ganz zerstören, weil Musikpädagogen zur Existenzsicherung darauf angewiesen sind, daß die von Ihnen unterrichteten Schüler nachmittags ab ca. 14 Uhr verfügbar sind – nur so lassen sich an allen Werktagen volle Unterrichtsnachmittage bzw. ein volles Deputat mit vollem Gehalt realisieren.
– auch, wenn die Musikpädagogen ihren Unterricht direkt in die GTS verlegen, wird es nur noch sehr schwer bis unmöglich sein (dies bestätigt sogar das Kultusministerium selbst in einem Schreiben vom Dezember 2014!), die tragende Säule und den Qualitätsgaranten der einzigartigen Musikausbildung in BaWü zu erhalten: den Einzelunterricht. Jeder seriöse Musikpädagoge wird bestätigen können, daß Gruppenunterricht nur bei sehr guten Gruppenkonstellationen funktioniert, und diese sind extrem selten.
– die Praxis hat daher gezeigt, daß die viel beschworene „Gruppendynamik“ eben nicht alle Schüler gleichermaßen motiviert – durch den Leistungsunterschied in der Musiziergruppe werden nämlich die guten Schüler demotiviert und die weniger guten überfordert.
– für qualifizierten Instrumentalunterricht bzw. Einzelunterricht direkt an den GTS sind diese zudem nicht gut genug ausgerüstet und es stehen dafür voraussichtlich auch keine Geldmittel zur Verfügung für Instrumente, zusätzliche Räume usw.

außerdem ist die GTS aus folgenden Gründen allgemein problematisch:
– ein achtstündiger Aufenthalt in der GTS (erst recht mit verpflichtendem GT-Programm) ist für Grundschüler viel zu lange und zu anstrengend. Das so wichtige „Kind-sein-dürfen“ mit viel unorganisierter Freizeit, Spiel und Spaß am Nachmittag geht verloren, wenn die Kinder von der Politik ein „Programm“ verordnet bekommen. Selbst in den Pausen- und Entspannungsstunden sind die Kinder auch nicht „frei“, sondern stets in die Gruppe gezwungen und unter Lehreraufsicht stehend. Besonders für introvertierte Kinder ist dies psychisch eine große Belastung.
– die Lernerfolge von GTS-Schülern sind nachgewiesenermaßen in den allermeisten Fällen nicht besser als die von Halbtagesschülern (siehe z. B. Finnland – dort werden ausschließlich mit der Halbtagesschule bessere Lernerfolge erreicht als in Deutschland!). So werden für eine neue Schulform Steuermilliarden ausgegeben, die sich gar nicht auszahlen.
– auch, wenn GTS für diejenigen Kinder sinnvoll sind, die im häuslichen Umfeld nicht genug Fürsorge und Betreuung von ihren Eltern erhalten bzw. erhalten können, zielt die GTS doch hauptsächlich darauf ab, beiden Elternteilen eine Vollzeit-Berufstätigkeit zu ermöglichen, um ein vermeintlich altmodisches Familienbild zu überwinden – in Wahrheit wollen jedoch sehr viele Mütter und/oder Väter lieber mehr für ihre Kinder da sein und dafür weniger arbeiten – mit Recht! Letztlich stellt die GTS also eine ideologie-getriebene politische Maßnahme dar und ist außerdem eine Andienung an die Wirtschaft – die Leidtragenden sind unsere Kinder, deren wichtigste Jahre quasi dem Diktat der Ökonomie geopfert werden. Muß das sein?